Rüdiger Schwahn
Posted 4. Juni 2010 at 19:24
Lieber Martin,
Grundsätzlich lassen sich Zufälle nicht ausschließen. Unser ganzes Leben wird durch Zufälle bestimmt. Ich muss nur entscheiden ob ich sie zulassen oder ignorieren kann. Bestenfalls lässt sich die Möglichkeit, dass ein Zufall auftritt beeinflussen, indem ich dafür die entsprechenden Voraussetzungen schaffe wie zum Beispiel beim Münzwurf (2 Zufälle möglich), Würfelspiel(6 Zufälle) Roulette usw..
Beschreibe ich die Rolle des Zufalls in meinem Bereich der Kunst,so muss ich feststellen, dass meine Regeln im Umgang mit dem Zufall sich auch auf alle meine anderen Lebensbereiche übertragen lassen. Wiederum eine Bestätigung dafür, dass Kunst und Leben sich nicht voneinander trennen lassen und immer eine Einheit bilden, im Guten wie auch im Schlechten.
In meiner Objektkunst lasse ich mich auf ein Abenteuer ein indem ich Ideen vom Zufall erwarte
und auch empfange! Hierbei mache ich mir den Zufall zunutze, lasse mich von ihm leiten, bediene mich seiner.
Heftig, die Begegnung mit dem Zufall in meiner Malerei!!
Je planmäßiger ich in meiner Malerei vorgehe, umso heftiger trifft mich der Zufall.
Doch wie gehe ich damit um? Nutze ich ihn um neue Wege zu beschreiten? Wird dadurch nicht auch gleichzeitig ein neues Ziel definiert? Oder zerstöre ich das Zufallsprodukt weil ich mein urprüngliches Ziel behalten möchte?
Praktisches Beispiel: Oftmals ensteht bei dem Prozess des Malens eine “schöne Stelle”
im Bild die dazu verleitet den Rest des Motivs auch so genial zu gestalten.
Ein fürchterlicher Zustand des Hängenbleibens stellt sich ein, wenn der neue Weg nicht zu
realisieren ist. Zerstören ist die einzige Möglichkeit um aus diesem Dilemma heraus zu kommem und meinen Fluss wiederherzustellen. Umgekehrter Fall: Ich komme mit meinem Bild nicht so recht voran, hier kann ein Zufall helfen um meine Richtung wieder zu finden.
Ordnung kann durch den Zufall verloren gehen oder durch ihn entstehen!
Die Frage, lässt sich der Zufall provozieren kann ich somit mit einem klaren jein beantworten.
Zum einen kann ich den Zufall provozieren indem ich kein bestimmtes Ziel habe, das heißt ich lasse mich von ihm leiten und bin offen für jede Schweinerei, zum anderen kann ich den Zufall außen lassen indem meine Planung eine festgelegte Vorgehensweise und eine klare Zielvorgabe beinhaltet.
Schönes Wochenende und immer schön Prioritäten setzen.
Und denk daran: Die Verrückten leben – und die Vernünftigen halten durch!
Rüdiger Schwahn